So bleibt die SGS ein Abstiegskandidat
"Kann man das Super-Bowl-Spiel hier im Fernsehen sehen?" So ganz waren Brittany Timko und Emily Zurrer am Sonntag noch nicht in Europa angekommen. Die beiden kanadischen Neuzugänge des Frauenfußball-Bundesligisten SG Essen-Schönebeck hatten gerade ihren ersten Einsatz für ein deutsches Vereinsteam hinter sich gebracht. Beide über 90 Minuten. Und erfolgreich, mit einem Pokalsieg über Zweitligist FSV Gütersloh. Dank der beiden Kanadierinnen hoffen die Essener darauf, in dieser Saison den Klassenerhalt zu schaffen. Doch dazu muss die Mannschaft noch hart an sich arbeiten. Auch das neue Kanada-Duo.
Es war schon ein gewisses Risiko dabei, die erst seit wenigen Tagen in Essen weilenden kanadischen Nationalspielerinnen und die nach einem Jahr Kreuzbandriss-Pause wieder einsatzbereite Inka Wesely von Anfang an gemeinsam zu bringen. "Risiko? Wieso Risiko?" widersprach Essens Manager Willi Wißing. "Schlechter als in der Hinrunde konnte es doch bei uns gar nicht mehr laufen."
Aber viel besser lief es jetzt auch nicht. In der Form, in der sich die SGS gegen den Zweitligisten präsentierte, bleibt sie ein heißer Abstiegskandidat. Wer weiß, wie alles gelaufen wäre, hätten nicht FSV-Star Kerstin Stegemann und ihre Torhüterin Steffi Emming in unglücklicher Co-Produktion schon nach elf Minuten ein Eigentor produziert - zugunsten der SGS, die diesen Vorsprung erst nicht auszubauen vermochte und sich dann auch noch ernsthaft gefährdet sah.
Vorwürfe an die beiden Kanadierinnen erübrigen sich. Auch wenn beide enttäuschten. Emily Zurrer hatte es da als Verteidigerin noch ein ganzes Stück leichter als ihre Kollegin Brittany Timko, die neben Melanie Hoffmann im zentralen Mittelfeld eingesetzt wurde, dort aber kaum einen Zweikampf gewann und nur ganz wenige Pässe zu einer Mitspielerin brachte. Und sich hinterher nicht traute, ihre eigene Leistung öffentlich zu beurteilen. "Das Spiel war gut, in der Mannschaft steckt großes Potenzial. Wir können natürlich besser spielen, da müssen wir noch viel tun", versuchte sie sich zunächst in Floskeln zu flüchten. Was ein "Phrasenschwein" ist, hatte ihr bis dahin offenbar noch niemand erklärt. Aber zurück zu ihrer eigenen Leistung. Zufrieden? "Ich bin zufrieden, dass wir gewonnen haben. Das ist meine Antwort."
Emily Zurrer, die in der Innenverteidigung neben Nadine Kraus spielte, wurde bei Standardsituationen mit nach vorne beordert - wegen ihrer Kopfballstärke. Doch genau die vermochte sie in der zweiten Hälfte nicht unter Beweis zu stellen, als sie zwar Torfrau Steffi Emming dazu zwang, sich gewaltig zu strecken. Doch der Kopfball war nichts weiter als eine missglückte Bogenlampe, weil sie die Flanke falsch berechnet hatte und zu früh gesprungen war. Als der Ball ihren Kopf erreichte, war Zurrer schon wieder auf dem Weg nach unten.
Und die dritte "Neue"? Inka Wesely ging es ebenfalls vorsichtig an. Auf der rechten Außenverteidigerposition, neben Emily Zurrer. "Die Abstimmung mit ihr klappte schon ganz gut", fand sie, "aber wir haben so insgesamt noch nie gespielt, das muss sich erst alles noch finden." Nach und nach traute sie sich mehr zu, schaltete sich auch mal weiter vorne mit ein. Bis zu einem gewissen Punkt. "Ich bin ja schließlich erst seit drei Wochen wieder im Training, mir fehlt noch ein bißchen die Fitness. Deswegen hatte ich auch nicht damit gerechnet, dass ich die kompletten 90 Minuten durchspielen würde."
Soviel zu den Neuen. Das größte Problem der Essenerinnen war ein anderes: Spieltaktische Defizite. Während der Zweitligist FSV Gütersloh schon die Essener Abwehrreihe mit sechs pressenden Spielerinnen unter Druck setzte und in Ballbesitz danach trachtete, diesen möglichst schnell weiterzuleiten, oft nur mit einem Ballkontakt, war der Spielaufbau bei den Gastgeberinnen geradezu behäbig und unpräzise. In der ersten Hälfte mag das auch daran gelegen haben, dass die beiden zentralen Mittelfeldspielerinnen im 4:4:2-System, Melanie Hoffmann und Brittany Timko, zu weit aufgerückt waren. Und über die Flügel lief zunächst gar nichts.
Nach der Pause sah das anders aus. Plötzlich gab es auch die eine oder andere herausgespielte Situation und - Torchancen. So große, dass Trainer Ralf Agolli, selbst früher Stürmer, es nicht fassen konnte, wie sein Team die vergab. Moment, Team? Nein, genau das war es ja gerade. Entweder direkt und eiskalt abschließen oder die besser postierte Nebenfrau sehen und bedienen. Beides sowohl von Sofia Nati als auch von Melanie Hoffmann nicht beherzigt. Selbst Rumpelstilzchen wird am Ende des gleichnamigen Märchens nicht verzweifelter herumgehüpft sein als Agolli, nachdem er mit ansehen musste, wie Hoffmann ihre große Torchance mit einem völlig missglückten Außenristschlenzer in die Arme der Torfrau vergab. "Beide haben ihre Chancen wirklich kläglich vergeben", meinte er hinterher, "beide haben den Anspruch, vorne zu spielen, dann müssen sie aber auch kälter agieren."
Apropos Hoffmann. In der zweiten Hälfte kam dann auch Neuzugang Laura Hoffmann von der SG Wattenscheid 09 zum Zug, im rechten Mittelfeld. Mit zahlreichen Ballkontakten, aber kaum etwas Produktivem. Hier, auf dieser Position hatte eigentlich Daniela Löwenberg spielen sollen. Aber die hatte sich im Training an den Adduktoren verletzt und musste nach dem Warmlaufen zugunsten von Caro Hamann wieder von der Aufstellungsliste gestrichen werden.
In der Schlussphase der Partie hatte übrigens plötzlich der FSV Gütersloh optisches Übergewicht, warf alles nach vorn, die Essener Abwehr durcheinander und kam sogar zum gefährlichen Abschluss. "Wir dürfen uns bei Lisa Weiß bedanken, dass wir da nicht noch den Ausgleich kassiert haben", stellte Ralf Agolli fast schon seufzend fest. Es waren zwei Glanzparaden, mit denen die Essener Torfrau den 1:0-Sieg über die Zeit rettete. Den Sieg eines nach wie vor abstiegsgefährdeten Erstligisten gegen einen im Tabellen-Mittelfeld dümpelnden Zweitligisten. Und damit steht die SG Essen-Schönebeck jetzt im Halbfinale des DFB-Pokals. Von großem Jubel war bei den Spielerinnen aber nichts zu erkennen, lediglich Erleichterung. Und vielleicht auch ein bißchen Erschrecken. Darüber, dass auch nach der Winterpause und mit den hochkarätigen Neuzugängen noch immer vieles im Argen liegt. "Wenn ich wüsste, ich würde auch die nächsten fünf Spiele so erleben, ich würde morgen kündigen", meinte Ralf Agolli. Denn auch er war sich darüber im Klaren: Gegen einen erstklassigen Konkurrenten wäre sein Team auch vom Resultat her nicht so gut davongekommen.








































Sowas ist keine objektive Berichterstattung, sondern ein Armutszeugnis eines Schreiberlings, der den nötigen Durchblick vermissen lässt.
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