Drei Joker-Tore bringen Deutschland ins nächste Finale
Trotz ihrer schlechtesten Halbzeit im Turnier hat es die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft zum fünften Mal in Folge geschafft, das Finale der Europameisterschaft zu erreichen. Mit einem 3:1 (0:1) über Norwegen, das dank einer immensen Steigerung nach der Pause zustande kam.
Wenn man nur das Endergebnis liest, könnte man meinen: 3:1 - tja, also wohl wie immer. Aber so war es diesmal wirklich nicht. Weil Norwegen in der ersten Halbzeit aggressiv und mit großem läuferischen und kämpferischen Aufwand den Deutschen die Passwege zustellte und Pressing spielte. Was zum Beispiel dazu führte, dass eine Bianca Schmidt gegen die routinierte Solveig Gulbrandsen derart viel Respekt aufbaute, dass sie sich kaum noch traute, die Linie entlang zu spielen oder gar zu laufen.
Norwegen versuchte es mit 4:1:4:1-System, mit Isabell Herlovsen als einziger Spitze, einem geballten Mittelfeld sowie Ingvild Stensland in der Rolle, in der sie auf der Welt wohl einzigartige Stärken besitzt: als Abräumerin und Aufbauspielerin zentral vor der Abwehr. Die deutsche Mannschaft kam in der ersten Halbzeit überhaupt nicht richtig ins Spiel, im Mittelfeld war von Kim Kulig so gut wie gar nichts positives zu sehen, im Angriff traf das auch auf Melanie Behringer. Zwei, die zuletzt so starke Leistungen geboten hatten. Und im Tor wackelte Nadine Angerer, strahlte diesmal keinerlei Sicherheit aus. Sie ließ sich offenbar von den nicht geahndeten Attacken im Fünfmeterraum beeindrucken und verschuldete mit einem halbherzigen Einsatz nach einer Ecke von Stensland das 0:1 durch Herlovsen.
Danach ging bei Deutschland noch weniger, kaum eine Kombination funktionierte, zahlreiche Fehlpässe, nichts zu sehen vom sonst so überragenden Flügelspiel. Norwegen dagegen spielte sich die Bälle im Mittelfeld mit deutlich gewachsenem Selbstbewusstsein zu. Und hatte nach einem weitere Angerer-fehler die nächste Großchance, als Lene Storløkken den Pfosten traf (21.). Es dauerte tatsächlich bis zur Schlussphase der ersten Hälfte, ehe sich die Deutschen ihrer allererste echte Chance herausspielten - durch Inka Grings. Eine Einzelaktion, die bei der erneut starken und wohl besten Torhüterin des gesamten Turniers, Ingrid Hjelmseth, endete.
Was wird Bundestrainerin Silvia Neid wohl in der Pause alles gesagt haben? Ihren Spielerinnen die Bedeutung dieser Partie noch einmal vor Augen geführt, Ihnen klarzumachen versucht, dass Norwegen eigentlich keine Chance gegen sie hat, wenn sie sich auf ihre spielerischen und kämpferischen Stärken besinnen? Was immer es war, es wirkte. Und das, obwohl das Team den verletzungsbedingten Ausfall von Linda Bresonik (Knöchel) wegstecken musste. Aber plötzlich lief der deutsche Motor, und im gleichen Maß sank die norwegische Leistung wieder auf das zu erwartende Niveau - oder anders ausgedrückt: Norwegen wurde nicht unbedingt schlechter, nur das, was die Mannschaft in dieser Besetzung zu leisten imstande ist, reicht eben gegen eine deutsche Elf in Normalform nicht aus.
Angetrieben von einer wenn auch nicht immer glücklich agierenden, aber trotzdem unheimlich Birgit Prinz, machten die Deutschen jetzt richtig Druck. Und erarbeiteten sich dadurch eine Torchance nach der anderen. Auch dank dreier Einwechselspielerinnen, die eine große Belebung waren und die sich alle drei in die Torschützenliste eintragen sollten. Besonders Simone Laudehr und Célia Okoyino da Mbabi empfahlen sich nachdrücklich für die Startformation. Wie im übrigen auch die als Innenverteidigerin für die verletzte Ariane Hingst spielende Saskia Bartusiak. Auf dieser Position überzeugte sie wesentlich mehr als zuletzt im Mittelfeld.
Das 1:1 durch Simone Laudehr nach einer Flanke von Behringer (59.) wirkte wie eine Befreiung. Nur zwei Minuten später köpfte Okoyino da Mbabi nach Flanke von Laudehr den Ball zur Führung ein. Einziger kritischer Ansatzpunkt in der zwieten Hälfte neben einer weiteren, kleinen Unsicherheit von Angerer bei einer Flanke war wieder einmal die mangelhafte Chancenverwertung. Und das lag diesmal nicht nur an der erneut starken Hjelmseth im norwegischen Tor. Erst in der 93. Minute sollte einer der gefährlichen Konter für die Entscheidung sorgen. Nachdem erst Grings und dann Prinz an Hjelmseth scheiterten, war es der zweite Nachschuss, von Lira Bajramaj, der allen Beteiligten die Gewissheit verschaffte, dass Deutschland, der amtierende Welt- und europameister, am Donnerstag um 18 Uhr erneut im Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft der Frauen steht. Zum fünften Mal in Folge. Ob es auch der fünfte europäische Titel in Folge wird? Alles andere wäre angesichts des Gegners England, der sich in der deutlich schwächeren Hälfte des Turniertableaus durchsetzte, nicht nur eine Überraschung, sondern eine echte Sensation.
Halbfinale 2
Deutschland - Norwegen 3:1 (0:1).
Deutschland: 1 Angerer - 22 Schmidt (46. 13 Okoyino da Mbabi), 5 Krahn, 3 Bartusiak, 4 Peter - 14 Kulig, 10 Bresonik (45.+1 6 Laudehr) - 18 Garefrekes, 9 Prinz, 7 Behringer (59. 19 Bajramaj) - 8 Grings.
Norwegen: 1 Hjelmseth - 2 Akerhaugen, 3 Skammelsrud Lund, 17 Mjelde, 6 Huse (82. 15 Gardsjord) - 4 Stensland - 11 Kaurin (62. 22 C. Pedersen), 21 Storløkken, 5 A. Giske, 8 Gulbrandsen (76. 10 Wiik) - 9 Herlovsen.
Zuschauer: (in Helsinki).
Schiedsrichterin: Kirsi Heikkinen (Finnland); Note 5 (mangelhaft), gleich am Anfang schon mit Fehlerserie, als sie das erste Foul von Kaurin an Peter nicht pfiff und für das zweite, härtere nicht die Gelbe Karte zog. Dazu ließ sie die Torwart-Behinderungsregel im Fünfmeterraum völlig außer Acht, ermahnte die Akteurinnen nicht einmal.
Gelbe Karten: Mjelde (78.), Akerhaugen (81.).
Tore: 0:1 Herlovsen (10.), 1:1 Laudehr (59.), 2:1 Okoyino da Mbabi (61.), 3:1 Bajramaj (93.).
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Bundesliga Frauen
| 1. | FCR 2001 Duisburg | 14 | 47 | : | 10 | 36 |
| 2. | Turbine Potsdam | 13 | 52 | : | 9 | 35 |
| 3. | 1. FFC Frankfurt | 12 | 41 | : | 21 | 24 |
| 4. | Bayern München | 13 | 27 | : | 25 | 23 |
| 5. | SC 07 Bad Neuenahr | 13 | 24 | : | 22 | 22 |
| 6. | FF USV Jena | 13 | 21 | : | 31 | 16 |
| 7. | VfL Wolfsburg | 11 | 21 | : | 16 | 15 |
| 8. | Hamburger SV | 12 | 14 | : | 29 | 14 |
| 9. | SG Essen-Schönebeck | 14 | 21 | : | 40 | 13 |
| 10. | 1. FC Saarbrücken | 12 | 19 | : | 35 | 9 |
| 11. | Tennis Borussia Berlin | 13 | 13 | : | 33 | 6 |
| 12. | SC Freiburg | 14 | 8 | : | 37 | 6 |








































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